Arbeitsgruppe
"Mobiles, modulares Versorgungskonzept für die Behandlung, Diagnostik und Pflege von Betroffenen bei Ausfall der regulären, örtlichen Gesundheitsstrukturen"
Beratungsgegenstand:
Erstellung einer Machbarkeitsstudie und eines Konzepts für ein modulares, mobiles, ziviles Einsatzhospital für den Einsatz in der Bundesrepublik Deutschland, sowie dem benachbarten, europäischen Ausland.
Fachbereich:
Medizin
Leiter der Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. med. B. Domres
Mitglieder der Arbeitsgruppe:
- Prof. Dr. Domres
- Dr. Paschen
- Prof. Dr. Pfenninger
- Prof. Dr. Sefrin
- Vertreter DRK
- J. Scheuermann (DGKM)
- Vertreter Bundeswehr
Meilensteine/Zeitplan:
III. Quartal 2010: Konstituierende Sitzung, Aufgabenverteilung, Datensammlung
IV. Quartal 2010: Feinplanung des Konzeptes
I. Quartal 2011: Beschluss des Konzeptes und Beginn der Machbarkeitstudie
II. Quartal 2011: Abschluss der Arbeiten
IV. Quartal 2011: Vorstellung der Ergebnisse in der Schutzkommission
Bedarfsanalyse:
Es sind größere Schadenslagen vorstellbar, die einen vorübergehenden bzw. mittelfristigen Ausfall der regionalen stationären Kapazitäten der Gesundheitsversorgung nach sich ziehen. Beispielhaft können genannt werden: Das Elbehochwasser in Dresden, der Brand der städtischen Kliniken Konstanz, aber auch Zerstörung der Infrastruktur wie zum Beispiel in Aquila.
Die unmittelbare Erstversorgung der Betroffenen in den ersten Stunden wird durch die geplanten und zumTeil existierenden Task Forces mit deren BHP 50 sichergestellt. Dieses Konzept geht davon aus, das die regionalen Krankenhausstrukturen weitgehend erhalten und betriebsfähig bleiben und diese die Weiterversorgung der Betroffenen zeitnah übernehmen können.
Planungen für einen umfassenderen bzw. mittelfristigeren (bis zu 12 Monaten) Ausfall medizinischer Versorgungsstrukturen existieren derzeit nicht.
Die Ressourcen der Gesundheitsdienstleister sind im neuen Abrechnungssystem G-DRGGerman-Diagnosis Related Groups-System begrenzt. Es werden ausschließlich erbrachte Dienstleistungen vergütet. Die Vorhaltung für nicht oder nicht ausreichend abgeforderte Dienstleistung ist (fast) ausschließlich im Bereich des unternehmerischen Risikos angesiedelt. Folglich richten die Gesundheitsdienstleister ihre Angebote streng nach der Produktivität, Effizienz und den Erlöschancen aus.
Sollen Vorhaltungen im Gesundheitswesen im Rahmen der staatlichen Daseinsfürsorge getätigt werden, hat die öffentliche Hand ausreichend Finanzmittel bereit zu stellen.
Derzeit besteht eine Fähigkeitslücke bei der flexiblen Schwerpunktbildung zur medizinischen Versorgung von Betroffenen eines ÜMANV- Ereignisses bzw. bei der Überbrückung des mittelfristigen Ausfalls regionaler Gesundheitsdienstleister durch nicht vorhersehbare Schadenereignisse.
Hierfür ist ein mobiles, modulares Versorgungskonzept mit den notwendigen Behandlungs-, Diagnostik - und Pflegekapazitäten zu schaffen, welches folgende Anforderungen erfüllt:
- Betrieb sowohl völlig autark als auch angelehnt an örtliche Ressourcen (Wasser, Strom, Wärme) möglich
- Kurzfristige Verfügbarkeit (Stunden), schnelle Inbetriebnahme (Stunden), maximale Betriebsdauer mehr als 72 Stunden bis zu 12 Monaten
- Kapazität und Ausstattungsumfang orientieren sich an einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Flexibilität, Mobilität und Modularität sollten dem Konzept der modularen Sanitätseinrichtungen (MSE) der Bundeswehr entsprechen.
- Grundsätzlich wird das medizinische Personal aus den örtlichen Ressourcen rekrutiert. Eine vorwiegend technische „Rumpfmannschaft“ für den Betrieb der Einheit muss gesondert vorgehalten werden.
Durch den modularen Aufbau ist es problemlos möglich die Kapazitäten den Notwendigkeiten anzupassen und spezielle Versorgungsmodule (Dekontamination, Infektion) hinzuzufügen.
Um wirkungsvoll eingesetzt werden zu können, bedarf es mindestens zwei besser vermutlich vier derartiger mobiler, modularer Krankenhäuser, die an regional verschiedenen Standorten vorgehalten werden, damit der Ausfall essentieller regionaler medizinischer Versorgungsstrukturen zeitgerecht kompensiert werden kann.
In der Realisierung bietet sich ein Containersystem gfs.--gegebenenfalls ergänzt durch zusätzliche Zelte an. Zur Verbringung ist von einem landgestützter Transport auszugehen.
Dieses Konzept ist für den Katastrophenschutz der Bundesrepublik Deutschland zu entwickeln, kann aber auch im europäischen Kontext zum Einsatz kommen. In der Europäischen Union wird der dringende Bedarf gesehen, für die internationale Katastrophenhilfe ein mobiles Einsatzhospital zu schaffen. Zwar gibt es bei den Hilfsorganisationen Feldlazarette, die aber nur für zeitlich begrenzte Einsätze geeignet sind. Ist wie bei einem Erdbeben die medizinische Infrastruktur zerstört, besteht der Bedarf eines Einsatzhospitals, einschließlich höherer Standards wie zum Beispiel bildgebender Diagnostik wie Computertomographie.
